Buch-Tipp ...


Das Leben ist kurz ... Vita brevis ...

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Jostein Gaarder, geboren 1952 wurde mit seinem Roman Sofies Welt weltweit berühmt.

Das Buch ist inzwischen in 25 Sprachen übersetzt und wurde rund 10 Millionen Mal verkauft.

Gaarder ist Norweger, er studierte Philosophie, Theologie und Literaturwissenschaften. Zehn Jahre lang arbeitete er als Lehrer. Daneben schrieb er Romane und Erzählungen. Heute ist er freier Schriftsteller und lebt mit seiner Familie in Oslo.

Sofies Welt erhielt 1994 den Deutschen Jugendliteraturpreis. Danach folgten die Bücher Das Kartengeheimnis (1995) und Durch einen Spiegel, in einem dunklen Wort (1996). Auch diese beiden Romane wurden Bestseller.

„Das Leben ist so kurz, dass wir es uns nicht erlauben können,

ein endgültiges Urteil über die Liebe zu fällen.

Wir müssen erst leben, dann können wir philosophieren.“

Jostein Gaarder

Aus Gaarders Vorwort:

Als ich im Frühjahr 1995 die Buchmesse in Buenos Aires besuchte, wurde mir ein Vormittag auf dem berühmten Flohmarkt von San Telmo empfohlen. Nach einigen hektischen Stunden vor den vielen Verkaufsständen in den Straßen und auf den Plätzen suchte ich schließlich in einem Antiquariat Zuflucht. Dort fiel, als ich vor einer bescheidenen Auswahl von alten Handschriften stand, mein Blick auf eine rote Kassette mit der Aufschrift „Codex Floriae“. Etwas muss mein Interesse geweckt haben, denn ich öffnete die Kassette vorsichtig und fand einen Stapel mit der Hand beschriebener Bögen. Sie waren zweifellos alt, sehr alt, und ich sah sofort, dass ich einen Text in lateinischer Sprache vor mir hatte.

Mit großen Buchstaben war in einer eigenen Zeile ein Gruß geschrieben: „FLORIA AEMILIA AURELIO AUGUSTINO EPISCOPO HIPPONIENSI SALUTEM:“ „Floria Aemilia grüßt Aurel Augustin, Bischof von Hippo….“ Es handelt sich also um einen Brief. Aber konnte dieser Brief sich wirklich an den Theologen und Kirchenvater richten, der nach der Mitte des 4. Jahrhunderts den Hauptteil seines Lebens in Nordafrika verbracht hatte? Und stammte dieser Brief also von einer Frau namens Floria? …………

Was ist das für ein Brief, den Jostein Gaarder in einem Antiquariat in Buenos Aires entdeckt? Eine Fälschung? Oder eine Enthüllung?

Welche Frau konnte so einen langen Brief geschrieben haben? Denn in der Kassette befanden sich mindestens 70 oder 80 Bögen.

Wahr ist, dass der berühmte Augustinus, an den der Brief gerichtet ist, viele Jahre lang eine Frau namens Floria liebte, sogar einen Sohn mit ihr hatte, und ihr dann plötzlich für seine Liebe zu Gott den Laufpass gab und alle gemeinsamen Gefühle verriet.

Ein Bekenntnis einer Frau, 100 Fragen, offene Antworten, anrührend, bewundernd und beschämend zugleich. Die Schilderung einer Liebe, die geopfert wurde, verdrängt und verraten. Eine Analyse?

Berührende Gefühle, tiefgründig und offenherzig aufgeschrieben, von einer Frau, die etwa in der Zeit 400 nach Christi lebte.

Aus Gaarders Nachwort:

Noch immer habe ich viele Fragen. Hat Floria ihren Brief an Aurel abgeschickt? Oder hat sie das dann am Ende doch nicht gewagt? Im Brief wird das ja an einer Stelle angedeutet. Sie schreibt, dass sie sich davor fürchtet, was die Kirchenmänner eines Tages mit einer Frau wie ihr machen werden. …….

.......Wobei mich trotz allem eine andere Frage viel mehr beschäftigt: Wie hat Augustinus auf den Brief seiner ehemaligen Lebensgefährtin reagiert? Was hat er damit gemacht? Und was mit Floria?

Wir werden wohl nie mit Sicherheit wissen, ob Augustinus Florias Brief erhalten

hat .…....

Oslo, 8. August 1996, Jostein Gaarder

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