Fontane 200 ... (-2-)


2019 feiern wir den 200. Geburtstag von Theodor Fontane

(1819 bis 1898)

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An dieser Stelle möchte ich noch einmal auf eine interessante Web-Seite hinweisen.

www.fontane-200.de

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Kienbaum ist ein Dörfchen, ganz in unserer Nähe, idyllisch, etwas abgelegen. Von Fürstenwalde fährt man auf direktem Weg über Hangelsberg, biegt dort Richtung Norden ab, durchquert Wald und Heide und erreicht es in 15 Autominuten.

Ein kleines Dorf, aber bekannt und berühmt. Hier befindet sich das Bundesleistungszentrum für den deutschen Leistungssport. Die Anlage des Olympischen Trainingszentrums Kienbaum ist einzigartig in Deutschland. Und die Sportler wissen es zu schätzen.

Aber das soll nicht unser Thema sein.

Ich lade Euch ein, zu einer Wanderung nach Kienbaum, in dieses kleine Heidedorf.

Das Besondere daran:

Wir schreiben etwa das Jahr 1850. Und unsere Wanderung wird vonTheodor Fontane höchstpersönlich geführt.

Auf seinen Wanderungen durch die Mark Brandenburg lag Kienbaum auf seinem Weg und er beschrieb es folgendermaßen:

… Seinen Namen hat es, allgemeiner Annahme nach, von einem Kienbaum, der ehedem inmitten des Dorfes stand und bis in die früheste Zeit deutscher Kolonisierung zurückreichte. Man ließ ihn damals bei der Ausrodung der Waldstelle stehen, und während der Baum selber immer neue Jahresringe anlegte, legten sich neue Häuser und Hütten um den ursprünglichen Ansiedlungskern herum. Jahrhundertelang hielt man ihn als Paten, der dem Dorfe den Namen gegeben, in besonderen Ehren und kaum 40 Jahre mögen vergangen sein, dass er umgehauen wurde. Das ganze Dorf sträubte sich dagegen, aber die selbstsüchtige Beharrlichkeit des Hofbesitzers, auf dessen Grundstück die „Kiehne“ stand, blieb doch Sieger, und so fiel dann schließlich das Wahrzeichen des Dorfes. Es war eine alte knorrige Kiefer, eben noch aus der Zeit her, wo man die Bäume nicht schwächlich-schlank heranzog, sondern es lieber hatte, sie sich knorrig-original entwickeln zu lassen. …

... Das Dorf Kienbaum hatte sein Wahrzeichen verloren, aber es ist doch immer noch ein interessantes Dorf. Es bewahrt jenes anheimelnde Stück Romantik in der Abgeschiedenheit und Öde ….

... Es ist November, der Nebel sprüht und die Heide, so dünkt Dir’s, nimmt kein Ende. Kusseln und Kiefern und dann wieder Kusseln. Ein jedes Streifen an Baum oder Busch schüttet ein Schauerbad über Dich aus, und das nasse vergilbte Heidekraut, durch das Du hindurch musst, spottet der festesten Sohlen und macht Dich frieren bis aufs Mark. Nichts begegnet Dir, außer einem schiefstehenden Wegweiser, der seine müden Arme schlaff zu Boden hängen lässt, oder eine Krähe, die den Kopf in das nasse Gefieder einzieht und sich trübselig matt besinnt, ob sie auffliegen soll oder nicht. So geht es stundenlang. Endlich lichtet sich’s und Du trittst auf eine offene Stelle hinaus, die freilich wenig mehr als 100 Schritt misst und hinter der Du die dunkle Kiefernwand auf’s Neue ansteigen siehst. Aber auf dem freien Stückchen Feld, unter Ebereschenbäumen, an denen noch die letzten roten Büschel hängen, steht doch ein Dutzend Lehm- und Fachwerkhäuser, um die herum sich ein Sandweg mit tief ausgefahrenem Geleise zieht. Und das erste Haus ist die Schmiede. Dein fröstelnd Herz sieht wie mit 100 Augen in die sprühende Glut hinein und das durch die nebelfeuchte Luft gedämpfte Picken und Hämmern klingt märchenhaft-leise zu Dir herüber. Ein Gefühl beschleicht Dich, als wäre alles ein Wunderland oder als läge die Insel der Glücklidien vor Dir.

Das ist der Zauber eines „Dorfes in der Heide“. Und solch ein Dorf ist auch Kienbaum. Grund genug, ihm einen kurzen Besuch zu machen. Was uns aber heut und noch um die Sommerzeit diesem Heidedorfe zuführt, das ist nicht die Poesie seiner stillen Häuschen, das ist einfach die Tatsache, dass das Dorf Kienbaum vor 100 Jahren und noch weiter zurück, ein Kongressort war, wo die märkischen Bienenzüchter oder doch jedenfalls die Bienenwirte von Lebus und Barnim zur Beratung ihrer Angelegenheiten zusammenkamen. Was diesem kleinen Dörfchen solche Ehre einbrachte, ist nicht mehr mit Bestimmtheit zu sagen.

… Die Bienenzucht in Kienbaum, darüber scheint kein Zweifel, war von besonderer Vorzüglichkeit. …

… Das alte Wahrzeichen Kienbaums ist hin und seine Bienenherrlichkeit nicht minder, aber an die Letztere erinnert noch mancherlei. Die Lokalität ist eben im Wesentlichen dieselbe geblieben. Noch steht der Wald, noch blüht das Heidekraut rot über die Heide hin und noch schlängelt sich die Löcknitz durch die üppigen Wiesen …

… Aber wenn auch Nam und Sache ganz verschwinden sollten, das Dorf in der Heide, das abseits liegt und in seiner Armut niemanden auffordert, es in den großen Verkehr hineinzuziehen, es wird noch auf langhin ein Plätzchen bleiben, dessen still aufsteigender Rauch den über die Heide Wandernden anheimeln und dessen erstes Mütterchen am Zaun ihn freudig und dankbar empfinden lassen wird:

Wie wohl tut Menschenangesicht mit seiner stillen Wärme!

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© 2014 Rita Kahnt