Für Marion ...

Liebe Marion,

ich hoffe, die Karte mit dem blauen Briefkasten hat Dich hierhergeführt.

Ich habe ein sehr altes Foto von uns gesucht. Leider entspricht die Qualität des Bildes nicht den heutigen Ansprüchen. Aber was sind schon Ansprüche? Ich glaube, es gibt Wichtigeres.

Das war 1964 oder 1965. Wir waren in der 7. Klasse und Herr Gensch ist mit uns in den Spreewald gefahren, natürlich mit dem Fahrrad. Wir haben auf einem Heuboden übernachtet, und der arme Herr Gensch kam die ganze Nacht nicht zur Ruhe, weil alle - Mädels und Jungs gemeinsam dicht bei dicht dort im Heu übernachtet haben.

Das Bild soll eine kleine sentimentale Erinnerung sein. Und ich setze noch eins drauf. Unser Gedicht aus meinem Buch "Küstriner Straße" hänge ich auch noch an. Wenn ich mich nicht täusche, befinden wir uns in der fünftletzten Strophe. Also was solls ... wir haben noch 5 Strophen Zeit.

Ach ja ... und Happy Birthday noch einmal auf diesem Wege, in Ermangelung einer ordentlichen Geburtstagskarte.

Leben

Spielen, Schulzeit - Zopf mit Schleifen,

zaghaft nach dem Leben greifen.

Achtundsechziger, Hippie-Zeit,

lange Haare, Minikleid.

Feiern, Rauchen, Alkohol,

ausprobieren - alles wohl.

Und die Nacht zum Tag werden lassen.

Keine Stunde, nichts verpassen.

Reden, Tanzen, Singen, Lachen,

sich nicht groß Gedanken machen.

Fleetwood Mac, Led Zeppelin,

Stones und Beatles, Slade und Queen.

Hochs und Tiefs, auch Flankenschläge,

und keinesfalls nur gerade Wege.

Liebeskummer, Seitensprünge,

Versöhnung, Eintracht, andere Dinge.

Kinder kriegen, Kinder haben,

Freuden, Sorgen, nicht versagen.

Verzweiflung, Krankheit, Zorn und Wut,

Herzenswärme, Liebesglut.

Erste Falten, Unbehagen,

Sehnen nach vergangenen Tagen.

Freundschaft, frei von Kompromissen,

keine Angst vor Hindernissen.

Eltern pflegen, Eltern sterben,

Wohlstand, Glück und wieder Scherben.

Auf die Enkelkinder warten,

Rente, Ruhe, schöner Garten.

Weiter auf der Lebensreise,

eines Tages sind wir Greise.

Ohne Worte sich verstehen,

möge es so weitergehen.

Und im Jenseits irgendwann,

stoßen wir gemeinsam an.

Auf die Zeit, die unsere war,

einzig, unverwechselbar.

***********

Ich glaube, ich sollte jetzt aber doch diesen etwas außergewöhnlichen Blog-Eintrag noch etwas erklären.

Marion ist meine Freundin. Wir kennen uns schon aus der Kinderzeit. Wir haben Vieles gemeinsam gemacht. Waren zusammen in der Lehre, beim Studium ... und das andere verraten wir nicht. Neben kleinen Auszeiten, die einer Freundschaft aber nichts anhaben können, haben wir uns bis heute nicht verloren, auch wenn wir seit Jahren uns nicht mehr spontan treffen können, denn es trennen uns jetzt 480 Kilometer. Aber was sind schon 480 Kilometer?

Und weil wir momentan Corona haben und ich nirgends eine ordentliche Geburtstagskarte auftreiben konnte, ist das hier meine Gratulation.

Und für die Neugierigen unter Euch: Marion ist das Mädchen auf dem Bild, welches steht. Und ich bin die Zweite von links.

Und eigentlich haben wir uns überhaupt nicht verändert .... (glaubt es oder glaubt es nicht!)

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© 2014 Rita Kahnt